Nachhaltig gegen die Krise kommunizieren - CSR: mehr als eine Blaupause?

María Angela Torres Kremers , 24.02.2015

Nachhaltige Kommunikation stehen seit Jahren auf der Agenda von Unternehmen. Insbesondere Umweltthemen fordern den Dialog mit allen Stakeholdern. Wird der CSR-Trend in der Kommunikation aber wirklich nachhaltig umgesetzt?

Es ist fast still geworden um das Thema Nachhaltigkeit. Ist es noch aktuell? Wir sprachen mit der Umwelt-Kommunikationsexpertin María Angela Torres Kremers über neue Herausforderungen.

Nimirum: Frau Torres Kremers, warum ist Nachhaltigkeit ein Thema für die Kommunikationsbranche?

Torres Kremers: Viele Trends und Veränderungen unserer Gesellschaft lassen sich mit dem Konzept der Nachhaltigkeit verstehen und produktiv angehen. Je umfassender die Krisensituation, umso nachhaltiger müssen die Lösungen sein.

Was gehört denn alles zu nachhaltigem Kommunizieren?

Wer nachhaltig kommuniziert, nimmt individuelle und soziale Themen in ihrer Verschränkung wahr. Und er geht davon aus, dass Umdenken und Neuorientierung möglich sind.

Was ist dann das Ziel nachhaltiger Kommunikation?

Sie ist zunächst einmal ein Verständigungsprozess. Angestrebt als Kommunikationsziel wird ein möglichst weitgehender Konsens der beteiligten Akteure. Einzelne Bürger, gesellschaftliche Gruppen, Unternehmen und Staat verständigen sich über die Ursachen und Wirkungen von Krisen, über mögliche Veränderungen und über ihre jeweiligen und ihre gemeinsamen Bedürfnisse und Interessen. Am Ende sind sie in der Lage, gemeinsam zu entscheiden.

Was hat sich da in den letzten Jahren geändert?

Veränderungen gibt es auf der Ebene der Stakeholder und in vielen praktischen Entscheidungsbereichen. Informationstechnologien und soziale Medien geben den Menschen das Gefühl, dass sie in Entscheidungen eingebunden werden sollen und können. Davon müssen wir ausgehen. Das betrifft die lokale Ebene, aber auch regionale und globale Fragen. Damit wächst die Vernetzung von Problemdimensionen: Ökonomische, soziale, politische, kulturelle und ökologische Fragen lassen sich nicht mehr so leicht voneinander trennen. Auch wenn man Entscheidungskompetenzen und Zuständigkeiten natürlich jeweils sorgfältig prüfen muss.

Und in welchen Lebensbereichen sehen Sie Veränderungen, die für die Kommunikation relevant sind?

Nachhaltigkeit wird immer mehr zum „Frame“, zum Handlungsrahmen, in den einzelne Entscheidungen eingebettet werden. Sie sehen das bei Fragen der Energie- und Rohstoffeffizienz, der Kreislaufwirtschaft, in der Landwirtschaft, bei der Entwicklung von Smart und Sustainable Cities. Das Konzept der Nachhaltigkeit bietet sich hier als Rahmen dafür an, verschiedene Stakeholder zusammenzubringen und Paketlösungen zu entwickeln, die sich auch umsetzen lassen.

Wie lassen sich solche Prozesse steuern?

Die Kommunikationsforschung liefert Instrumente, mit denen sich legitime und effiziente Partizipationsformen gestalten lassen. Eine solche analytische Dimension muss strukturell immer mit da sein. Wichtig ist das, weil man nur so Beteiligungsformen evaluieren und die richtige Beteiligungsdichte wahren kann.

Unsere Expertin

María Angela Torres Kremers arbeitet im Bereich Nachhaltigkeitskommunikation mit dem Schwerpunkt Lateinamerika und Europa. Sie ist Freie Journalistin und Herausgeberin des spanischsprachigen E-Journals Yarumo Internacional in Berlin.

„Nimirum hat mich besonders wegen seiner Modelle der Wissensvermittlung zur Mitarbeit motiviert“, sagt Torres Kremers.

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Zur Person

María Angela Torres Kremers

Journalismus, Kommunikation, Lateinamerika und Umwelt bilden den Rahmen, in dem Dr. María Angela Torres Kremers ihre langjährige berufliche Tätigkeit im Umweltbereich entwickelt hat. Sie studierte Journalismus in Kolumbien und arbeitete zunächst für Umwelt-NROs und danach für das Nationale Institut für Natur- und Umweltschutz Kolumbiens. Bereits ab der Internationalen Konferenz für Umwelt und Entwicklung „Rio 1992“ vertiefte sie ihr Engagement für die internationale Umweltpolitik insbesondere bezüglich der Unterschiede zwischen Ländern des Globalen Nordens und des Globalen Südens (mit Fokus auf Lateinamerika). Bis 1999 arbeitete sie in Kolumbien als Universitätsdozentin mit Lehraufträgen an mehreren Universitäten und als Kommunikationsdirektorin für das kolumbianische Institut für Umweltwissenschaften (IDEAM). 2003 promovierte sie zum Thema „Umweltkommunikation in Entwicklungsländern“ in den Fachgebieten Kommunikationswissenschaften, Geschichte und Politik Lateinamerikas an der Universität Eichstätt. Anschließend kehrte sie zurück nach Kolumbien und arbeitete dort als Kommunikationsberaterin für die GIZ (vormals GTZ Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit) und als Universitätsdozentin. Seit Ende 2011 lebt sie in Deutschland und widmet sich der journalistischen Aufarbeitung von Wechselwirkungen zwischen deutscher, europäischer und internationaler Umweltpolitik und den ökologischen und sozio-ökologischen Realitäten in Ländern Lateinamerikas und der Karibik. Durch intensive Teilnahme an regionalen, internationalen und globalen Konferenzen und Expertentreffen, bei aktiver Mitgliedschaft beim Lateinamerika Forum Berlin e.V., in regionalen Netzwerken Lateinamerikas, internationalen Organisationen wie IECA (International Environmental Communication Association) und global orientierten Organisationen wie die DGVN (Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen) bildet sie aktuelle und fundierte Beurteilungen des Umweltgeschehens in Lateinamerika. Berichte, Interviews und Dokumentationen veröffentlicht sie regelmäßig in ihren eigenen digitalen Medien „Revista YARUMO Internacional“ und „Plattform YARUMO“ für lateinamerikanische Leser und international spanischsprachige Interessierte.

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