Please: True Content!
Eine Botschaft nach Berlin und Brüssel

Nikolaus Fecht , 08.04.2021

“Ich kann dank vorwiegendem Umstieg von Live-Berichterstattung zu Online auch nach einem Jahr sagen: Hurra, meine Presseagentur lebt noch. Doch die Stimmung ist bei mir ebenso wie bei meinen Kunden aus der Industrie und Forschung sowie meinen Freunden aus der Media-Szene sehr mies! Botschaft nach Berlin und Brüssel: Beendet bürokratisches Gemähre, kommt in die Pötte!” Nach einem Jahr Coronapandemie bleibt die Forderung nach True Content wichtiger denn je. Ein Expert Statement von Nikolaus Fecht.

Vor einem knappen Jahr schrieb ich über die Corona-Pandemie, dass ich sie als harten, aber ehrlichen Lehrmeister ansehe. Damals sickerten peu à peu „True Stories“ über Corona und die Folgen durch. Ich forderte damals als Journalist und PR-Texter von der Politik: Halten Sie sich vorbehaltlos an das Motto des Spiegel-Gründers Rudolf Augstein: „Sagen, was ist.“ Dieses Motto setzte sein Sohn Jakob unter anderem als Chefredakteur des Freitag in die Tat um, was manchen in der Krise missfiel. Weil er sich getraute, Corona-Entscheidungen von Angela Merkel zu hinterfragen oder gar infrage zu stellen, brach ein Shitstorm über ihn herein. Er schrieb auch das, was sein könnte. Doch das nahm man ihm übel.

WHO is who?

Sicherlich gab und gibt es viele Aussagen, Gerüchte und Meinungen, die seltsam, albern oder Alu-Hütchen-mäßig schlicht und ergreifend blödsinnig waren. Doch ich halte mich an die Weisheit meiner verstorbenen Großmutter, die als Überlebende zweier Weltkriege mir mit auf den Weg gab: „Höre auf den Narren, denn auch er hat seine Botschaft!“ So hinterfragte ich per Faktencheck einige Thesen etwa zu WHO et cetera und siehe da: Die WHO wird tatsächlich von Geldgebern der Pharmaindustrie dominiert. Notgedrungen, weil die bisherigen Geldgeber, also die reichen Nationen der Welt, die WHO immer weniger finanziell unterstützen.

Apropos Trump: Auch der Narr hat eine Botschaft

Man kann Donald Trump, den Ex-US-Präsidenten nun mögen oder nicht (ich mag ihn nicht!), aber er hatte recht, als er mit Blick auf die Dominanz der Pharmaindustrie der WHO das Geld verweigerte und ausstieg. Er machte zwar dramatische, todbringende Fehler mit seiner Verharmlosung des Virus, war aber trotzdem clever genug, rechtzeitig genügend Impfstoff zu ordern, so dass das Land nun unter dem neuen Präsidenten rasch aus der Krise kommt. Ergo: Auch dieser oft zu Recht gescholtene Narr hatte eine Botschaft, die uns in Europa fehlt. Diese zwei Seiten der Wahrheits-Medaille erfuhr ich übrigens nicht von öffentlich-rechtlichen Sendern und sehr selten von Leitmedien, sondern vor allem von MediaPioneer, dem neuen werbefreien Podcast von Gabor Steingart.

Prinzip GMV: Gesunder Menschenverstand

Die Suche nach der Corona-Wahrheit ist ein Zickzack-Kurs, bei dem sich viele nun fragen: Wenn schon hochrangige Politiker:innen die Wahrheit verdrehen, wem kann ich denn nun im Geschäftsleben trauen, was ist „true content“ und was ist eine „fake news“? Hier setze ich auf das Prinzip GMV: „Gesunder Menschenverstand“. Schaue Dir die Menschen genau an und höre genau hin. „True content“ kostet Zeit und bedarf vertrauensvoller Informanten!

„True content“ kostet Zeit und lohnt sich

Wie es geht, zeigte die Recherche zum Thema Bio-Nutzhanfanbau für ein Öko-Magazin. Ich erhielt viel Zeit zum Einarbeiten in das für mich völlig neue Fachgebiet. Ich lernte bei Vorort-Gesprächen und Interviews viele Wahrheiten des Nutzhanfanbaus kennen; Details und Hintergründe erfuhr ich durch Recherche in Literatur, die mir vertrauenswürdige Menschen in die Hand gedrückt hatten. Die Mühe hat sich gelohnt. Kommentar eines Testlesers aus der Branche: „Alle Achtung, du hast den besonderen Spirit unserer Branche sehr gut nachempfunden.“ Nach einem ähnlich aufwendigen Prinzip habe ich auch Whitepaper für Industriekunden erstellt, die auch mehrere Wahrheiten berücksichtigen.  

Was habe ich in einem Jahr Corona gelernt? Nun, „true content“ erreicht man nicht „quick and dirty“, er kostet viel Zeit und Aufwand. Außerdem bedarf es vertrauenswürdiger Wegbegleiter oder – besser – Pfadfinder, die man nach dem GMV-Prinzip auswählt. In diesem Sinne: Make true content great again!

Zur Person

Nikolaus Fecht

Hightech, PR und Journalismus: In diesem beruflichen Dreieck arbeitet Nikolaus Fecht (1953) seit mehr als vier Jahrzehnten. Zunächst studierte er bis 1981 Elektrotechnik/Elektronik an der Gesamthochschule in Kassel, dann erlernte er als Diplom-Ingenieur beim internationalen Fachverlag Motorpresse Stuttgart den Beruf des Redakteurs und Reporters, den er im selben Verlag bei einer Fachzeitschrift für Spediteure umsetzte. Bei der alteingesessenen Fachzeitschrift Industrie-Anzeiger, einem Organ der Wirtschaftsvereinigung Stahl- und Metallverarbeitung, führte der Elektronik-Experte die Leser in die damals noch neue Welt der Computertechnik ein und baute bei der internationalen Industrieberatung Agiplan in Mülheim (bei Düsseldorf) die PR-Abteilung auf, die er auch leitete. Seit 1990 arbeitet der mehrfache Journalistenpreisträger von Gelsenkirchen aus als freier Journalist, PR-Texter und Buchautor für führende Medien der Fach- und Publikumspresse (“Bild der Wissenschaft”, natur), Verbände (VDMA, VDW), Industrie (u.a. Dassault, Siemens, HP, Starrag, Festo, ZF) und Institute der Fraunhofer-Gruppe.

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