Mobiler Novemberblues
blush & blue #007

Anja Mutschler , 04.11.2022

Gelebte Mobilität: Aluguers auf Kap Verde

blush & blue, Ausgabe 7: Gelebte Mobilität. Kalt und warm. Optimistisch und nachdenklich. Heiter und tiefsinnig. Unsere zwei Unternehmensfarben weisen den Weg: Das monatliche Editorial von Anja Mutschler, Managing Partner des Research Institute 20blue spürt einmal im Monat den wichtigen Debatten und Zeitläuften nach. Mit Kopf, aber nicht kühl.

Liebe Leserin, lieber Leser,

mhm. November, Hausputz. Ich lese alte E-Mails und Memos und denke: stimmt, DAS wollten wir doch angehen! Mit jenem wollte ich mich endlich mal wieder treffen. Mit dieser endlich unsere Idee umsetzen. Und jetzt ist November, ein Jahr im Feuerlöschmodus und newsbedingtem „Keep cool, verdammt!“-Mantra neigt sich dem Ende. Ich bin ein bisschen weinerlich und finde heute: die Welt ist aus dem Lot – seit 2015 (Pegida), spätestens 2016 (Trump).

Neugier, wo bist du hin? Leichtsinn, wie schön war’s mit dir! Unendlichkeit bietet, zumindest poetisch, nur noch das Weltall.

Irrsinnig viele Menschen sterben unverschuldet wegen des Irrsinns anderer. Alles soll anders werden, aber wo anfangen? Keiner will mehr Armageddon-Filme sehen.

Ist die Politik nun hilfreich oder gefräßig? Man weiß es nicht. Aber aufeinander losgehen, geht immer.

Die Freiheit enger Sammeltaxis

Aber ich, ich war jetzt zwei Wochen im Urlaub. Ganz weit weg. Auf Kap Verde. Ein tägliches Ritual: Aluguer fahren. Ein Sammeltaxi, meist ein Toyota-Kleinbus, mit extrem stabilen Achsen und einem Motor wie einem Elefanten. Es passen laut Sitzplätzen 12, in Wirklichkeit aber bis zu 17 Leute hinein. Und zwei aufs Dach. Neben Bananenstauden, Eiern und Wasserkanistern. Für 1 Euro. Egal, wohin du willst. Das Wichtigste war aber: die schweigende Übereinkunft aller Passagiere und der Fahrer (männlich, alle), dass man für diese paar Minuten eine Schicksalsgemeinschaft bildet. Es wurde nicht gefurzt oder laut Musik gehört, für uns ahnungslose Weißhäutige rückten alle schweigend zusammen, und wer Güter hatte, oder nicht so gut gehen konnte, wurde natürlich BIS ZUR Haustür gefahren. Es war wahnsinnig eng und oft staubig. Aber ich fühlte mich, 5.000 km von zu Hause, in dieser Verkehrsgemeinschaft auf Zeit wesentlich geborgener als in jedem deutschen ÖPNV.

Ich träumte, diese gelassene, umweltfreundliche und kostengünstige Art des Nahverkehrs wäre auch hierzulande möglich. Ich stieß dabei, vornehm gesagt, auf viele kulturelle Hürden. Aber träumen wird man ja wohl dürfen!

Obwohl ich der typische Endnutzer von Fahrzeugen bin, der – etwa, als ich noch den geerbten 6-Zylinder meines Vaters fuhr – technikaffine Autonutzer mit meiner Unkenntnis zum Innenleben geradezu verärgert, denke ich ständig über Mobilität nach. Dass wir viel unterwegs sein dürfen, neue Eindrücke bekommen, lernen, Andersartigkeit zulassen können – all das sind für mich unabdingbare Errungenschaften der Moderne. Ein Grundrecht für Reisen würde meines Erachtens viel Fremden-Hass vorbeugen.

Aber wie verträgt sich das mit den schädlichen Aspekten der Mobilität?

blush & blue: Kalt und warm. Optimistisch und nachdenklich. Heiter und tiefsinnig. Unsere zwei Unternehmensfarben weisen den Weg: Das monatliche Editorial von Anja Mutschler, Managing Partner des Research Institute 20blue spürt einmal im Monat den wichtigen Debatten und Zeitläuften nach. Mit Kopf, aber nicht kühl.

Mobil und nachhaltig - wie geht das?

Dank mehrerer Projekte habe ich in den letzten Monaten sogar Geld damit verdient, gemeinsam mit Expert:innen unserer #community4creatingchange über die Zukunft der Mobilität nachzudenken. Ein hörbares Ergebnis ist der aktuelle Podcast “future of cars”, bei dem ein Experte unserer Community, Konstantinos Alexandropoulos, und unser Kunde Benjamin Groiß von Softeq sehr intelligent und nachdenklich über die Chancen einer nachhaltigen und trotzdem mobilitätsaffinen Zukunft für Autos gesprochen haben. Auf Englisch, was nicht meine Lieblingssprache ist. Trotzdem waren wir im Flow. Und haben sogar ein Geschäftsmodell für Automobilkonzerne entwickelt ^^. An unserem zweiten öffentlichen Output, dem Research-Paper Automotive arbeiten wir noch, immerhin wollen wir – Gegenwart, bleib doch mal stehen! – ein aktuelles Bild der Lage liefern. Sie können sich aber schon den Kauf vormerken - und erhalten dann einen 10% Rabatt für die Buchung von uns.

20blue minutes #08: Benjamin Groiss von Softeq und Konstantinos Alexandropoulos

In der achten Folge unserer 20blue minutes spricht Anja Mutschler mit Benjamin Groiss von Softeq und Konstantinos Alexandropoulos über die Zukunft der (Auto)mobilität.

Von 20blue, 06.10.2022

Richtig posten, richtig streiten

Neben meinen Tätigkeiten als Managing Partner für 20blue gebe ich ja regelmäßig Kurse rund um PR, Content Marketing und Social Media. 2021 habe ich das so viel getan, dass ich zwischenzeitlich keine Lust mehr hatte, irgendwem was über Pressemitteilungen und Twitter zu erzählen. Glücklicherweise bietet dieses Themenfeld genauso viel VUCA-Dynamik wie eine mittelweite Fernreise. Neben einer neuen, anders aufmüpfigen jungen Gruppe Medienschaffender, die journalistische Unverfrorenheit neu definieren (gegenüber ihren Arbeitgeber:innen etwa), poppen derzeit neue Social-Media-Plattformen hoch, die wieder an die Ursprungsidee des idealistischen Internets anknüpfen. Wer’s nicht kennt, lese es noch mal im Cluetrain Manifest mit dem unschlagbaren Satz: „Markets are Conversations.“ Darum geht’s!

Meine neuen Lieblinge heißen:

  • BeReal, ein filterfreies Netzwerk, das dem Schnappschuss gewidmet ist und Leute in Echtzeit über Tätigkeit und Stimmung informiert. Witzig ist, wenn man das kombiniert und einerseits sehr gute Freunde, bei denen mich wirklich interessiert, was sie gerade so machen, und andererseits vollkommen Fremde aus anderen Zeitzonen in den Feed integriert. Dann ergibt das einen schönen Überblick über das, was die Welt so macht. Wobei ich zugebe, dass ich einen Schnappschuss auch 2-3x mache, damit er aussieht wie … ein guter Schnappschuss. Kennt Ihr Telefon meine Nummer, finden Sie mein visuelles Tagebuch dort.
  • Mastodon, die Twitteralternative, mit Tröts statt Tweets, ansonsten aber twitterähnlicher Optik, wird seit Musks Zwangskauf von Twitter rasant populär. Es fühlt sich nicht an wie in einer zugigen Markthalle, wo schlechtgelaunte Kunden auf Schnäppchenjagd mit gestressten Händlern aneinandergeraten, obwohl sie einander eigentlich brauchen (Twitter), sondern wie bei einer Wohnzimmerparty. Das Sofa ist etwas zu weich, aber trotzdem bleibt man mit seinem Getränk drauf sitzen, weil der Dude neben dir echt was Interessantes erzählt. Später gehst du zu denen, die sich lachend in einer Ecke dummes Zeug erzählen und die Bude vollquarzen. Ein anderer zeigt seine Urlaubsbilder, zwischendurch seufzt man „Ach Alex …“, wenn der immergleiche Typ nach dem x-ten Bier halt doch Blödsinn redet. … 🤪 Vielleicht bin ich zum ersten Mal dabei, wenn ein neuer Social-Media-Trend geboren wird. Sie finden mich hier. Sicher habe ich bald 10 Follower.

Im Übrigen schimpfe ich mich mittlerweile auch 2. Landesvorsitzende des sächsischen Landesverbands des Deutschen Journalisten Verbands e.V. Der Verband liegt mir sehr am Herzen, u. a. wahrscheinlich deshalb, weil dort eine offene Streitkultur AUF DEM BODEN demokratischer Grundgesinnung herrscht. Sprich – ich rege mich oft auf, aber keiner meiner Opponenten weckt das Gefühl in mir, seinetwegen ginge die Welt zugrunde. Am Wochenende ist Bundesverbandstag, und wie bei solchen Veranstaltungen üblich, fiebern alle mit Grusel in der Stimme dem X-ten Änderungsantrag entgegen (anders als bei einem CSU-Parteitag eben, dessen launige Beschreibung ich mir in diesem Politik-Podcast des DLF gern angehört habe).

Womit ich doch noch einen guten Abschluss dieses blaugefärbten Editorials gefunden habe. Und falls Sie in den nächsten Tagen von uns hören, nicht wundern. Das sind die guten Vorsätze aus dem Frühjahr.

Herzliche Grüße, bleiben Sie beweglich

Ihre

Anja Mutschler

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